Die 3–Autoren–Schmöckerstube ... jenseits von Trash und Cash

Zwei Uhren

Die erste Uhr, wer kennt sie nicht,
sie kommt uns täglich zu Gesicht,
sie tickt und regt sich immerzu,
der Anker hat nicht Rast noch Ruh.

Wir finden sie in jeder Stube -
fährt mit dem Bergmann in die Grube,
wird mit dem Kind zur Schule gehn,
ist auf dem Kirchturm auch zu sehn.

Sie ist bekannt doch weit und breit,
zeigt allen an die weltlich Zeit.
Und bleibt sie ausnahmsweise stehn,
zieht man sie auf; dann wird sie gehn.


Die zweite Uhr wird nun genannt:
als Lebensuhr ist sie bekannt.
Doch niemand hat sie je gesehn -
und kein Mensch kann an dieser drehn.

Der Herr, der über allem steht,
und sie in seiner Allmacht dreht:
Er hält sie an, wenn er es will -
dann wird es um uns Menschen still.

Legen wir die schwachen Glieder
einst zur letzten Ruhe nieder,
wird´s um uns ganz öd und leer,
dann geht die Lebensuhr nicht mehr.

Darum, ihr Menschen lasst euch sagen,
auf Erden sollt ihr euch vertragen.
Bedenkt, wie kurz ist doch die Zeit,
die ihr auf Erd´ beisammen seid.
Wenn die Lebensuhr bleibt stehn,
dann heißt es auseinander geh´n!